30.05.2014 17:51

Bietet Kirche Heimat für homosexuelle Männer?

„Auftreten statt Austreten“

"Hier stehe ich - und ich will nicht anders!" Wievel Platz in der Katholischen Kirche für homosexuelle Männer ist war Thema bei einem Podium des Katholikentages, das von dem Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler moderiert wurde.


Podium (v.l.): Christoph Simonsen, Rainer Maria Schießler, Stefan Kaufmann, Markus Gutfleisch (Bild: Sankt Michaelsbund)

München – Auftreten, in der Kirche bleiben, mitmachen und auch Druck ausüben, so lautet das Fazit der Katholikentagsveranstaltung „Brückenschlag gewollt? Wo bietet Kirche Heimat für homosexuelle Männer?“. Darüber diskutierten rund 20 Männer mit dem CDU Politiker und Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann, dem Bischöflichen Beauftragen für homosexuelle Menschen im Bistum Aachen, Christoph Simonsen und Markus Gutfleisch von der ökumenischen Arbietsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) sowie dem Moderator und Münchner Stadtpfarrer Rainer Maria Schießler. Schon in einer ersten Runde zeigte sich, wie unterschiedlich mit Homosexualität im kirchlichen Leben umgegangen wird. Gleich mehrere Teilnehmer berichteten über ihre vielfältigen Aktivitäten in Pfarrgremien,waren sich aber auch darin einig, sich nicht zu outen. Man fürchte, wie ein Teilnehmer formulierte, dass man „an den Schandpfahl gestellt würde“. Andererseits hat der Aachener Bischof Bischof Klaus Hemmerle in Aachen ihn bewußt im Priesteramt behalten nachdem er seine Homosexualität öffentlich bekannt gemacht habe, berichtet Christoph Siomonson.

 

Ein zentrales Thema bei dem Podium war die Frage, ob und wie eine Segnung homosexueller Partnerschaften möglich ist. Kaufmann machte dabei aus seiner Enttäuschung keinen Hehl, dass Bischof Fürst, mit dem er auch immer wieder dienstlich als Stuttgarter Bundestagsabgeordneter zu tun habe, ihm in dieser Sache nur brieflich antworte. Fürst verweise auf ein weitgehend unbekanntes Schreiben der Bischofskonferenz das eine Segnung untersage und an das er auch als Ortsbischof gebunden sei. „Ich habe das Schreiben mehrfach gelesen, aber ich kann die Argumentation beim besten Willen nicht nachvollziehen“, so Kaufmann. Niemand könne sagen, dass das nicht gehe, fügte Schießler an, denn in seiner alltäglichen Seelsorge zeige sich immer wieder, dass das sehr wohl gehe. „Wir segnen als Kirche ja Gott sei Dank keine Panzer mehr, aber wir segnen Weizenfelder und Schulbücher. Dann kann ich doch bitteschön auch zwei Männer segnen.“


Von einem besonders pikanten Problem berichtete ein Mann, dessen Partner in einer anderen Diözese lebt. Da beide in einer eingetragenen Partnerschaft leben und steuerlich gemeinsam veranlagt seien, entstehe die Situation, dass das zuständige Kirchensteueramt auch den Betrag für den Lebenspartner einziehe, da die Kirchensteuer ja direkt an der Lohnsteuer hänge. „Aber die Katholische Kirche erkennt doch unsere Partnerschaft gar nicht an“, wundert sich der Mann und schiebt hinterher, dass offenbar er in seiner Lebensform nicht, wohl aber sein Geld gewollt sei.

 

Markus Gutfleisch wies Kaufmann darauf hin, dass es ja vor allem der Druck des Bundesverfassungsgerichtes gewesen sei, der die CDU dazu bewogen habe, gleichgeschlechtliche Partnerschaften gleichwertig zu behandeln. Wer habe da vergleichbaren Einfluß auf die Kirche? An dem Punkt waren sich die Teilnehmer des Podiums dann auch einig: Es müsse Druck ausgeübt werden, aber nicht Druck um des Drucks willen, sondern um der Sache willen. Der beste Druck sei, formulierte Schießler im Schlußwort, wenn ein kirchlich engagierter Homosexueller sich hinstelle und sage: „Hier stehe ich und ich will nicht anders“. Der Münchner Pfarrer forderte die Anwesenden dazu auf, nicht aus der Kirche auszutreten, sondern in der Kirche aufzutreten. (gw)

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