17.12.2014 08:00

Karl Leisners Priesterweihe im KZ Dachau

Feier in der Baracke

Vor 70 Jahren wurde der selige Karl Leisner im Konzentrationslager Dachau zum Priester geweiht. Er ist damit weltweit der einzige, dem dieses Sakrament in einem KZ zuteil wurde. In einem autobiographischen Werk wird die Weihe bewegend geschildert.


Karl Leisner (Bild: KNA)

Dachau - Vor 70 Jahren, am 17. Dezember 1944, empfing der selige Karl Leisner (1915-1945) im Konzentrationslager Dachau, wo er in den Priesterblock eingeliefert worden war, die Priesterweihe. Jesuitenpater Otto Pies (1901-1960) war sein geistlicher Begleiter. Der ebenfalls in Dachau inhaftierte französische Bischof Gabriel Piguet von Clermont-Ferrand spendete dem Schwerkranken mit Erlaubnis von Leisners Heimatbischof Clemens August Graf von Galen das Sakrament, nachdem die Kandidatin der Armen Schulschwestern Josefa Imma Mack (1924-2006) unter dem Decknamen „Mädi“ die notwendigen liturgischen Gegenstände in das KZ eingeschmuggelt hatte. Kardinal Michael von Faulhaber hatte die Genehmigung erteilt (nachzulesen in Schwester Immas Biographie „Warum ich Azaleen liebe“). Es war die einzige Weihe eines katholischen Priesters in einem NS-Konzentrationslager. Seine Primizfeier am 26. Dezember 1944 blieb die einzige heilige Messe, die Leisner feierte. Wir bringen hier einen Abschnitt aus dem autobiographischen Werk „Christus in Dachau“ von Pater Johannes Maria Lenz, Selbstverlag Wien, 1956, in dem die Weihe bewegend geschildert wird:

Der 17. Dezember 1944 bleibt für immer ein außerordentlicher Gedenktag für uns Priester von Dachau. Eine Priesterweihe im Konzentrationslager! Wie unglaublich! – und dennoch eine Tatsache. So weit war Christus, unser göttlicher Mitgefangener, Seinen priesterlichen Verbannten in Seiner Liebe nachgegangen! Im Todeslager erkor Er sich einen Diener für das Brot des Lebens, für die Eucharistie. EinOpfer von Dachau als Opferpriester!Unser Diakon Karl Leisner aus Cleve in Westfalen war eine stattliche Erscheinung und ein immerfroher Kamerad. Im Dezember 1940 war er vom Lager Sachsenhausen hierher verschleppt worden. Vorher hatte ihn sein Bischof nach Sankt Blasien in den Schwarzwald gesandt, zur Ausheilung seiner Lunge. Eine geringfügige Äußerung, und schon brachte ihn die Gestapo ins Lager, zwei Woche vor seiner Priesterweihe. Wird er sein Ziel erreichen?Der Mensch denkt, Gott aber lenkt! Christus sendet Seinem Diener auch einen Bischof ins Lager. Exzellenz Piguet von Clermont aus Frankreich ist es. Es war zur rechten Zeit ... Der Zustand des Kranken war durch die fünfjährige Lagerhaft hoffnungslos geworden. Nun sollte sein Lebenswunsch vor dem Sterben seine Erfüllung finden. Die notwendigen bischöflichen Erlaubnisse aus Münster und München wurden durch geheime Briefe und Boten eingeholt. Auch einige bischöfliche Insignien. Vieles wird im Lager heimlich hergestellt, zum Beispiel die Albe, Pantoffeln, Strümpfe und Birett, ja selbst der Bischofsstab, ein „goldener“ Ring und ein „goldenes“ Brustkreuz werden von Kunstarbeitern im Lager hergestellt. Nun war endlich alles vorhanden. Die Priester hatten es verstanden, alles Nötige zu be-sorgen ...

17. Dezember 1944. – Sonntag ist‘s. Der Morgenappell ist soeben vorüber, die Kapelle schon überfüllt. Aus Stube 2 zieht der Bischof in stiller Feierlichkeit zur Stube 1, in die Kapelle. Über seinem Häftlingskleid trägt er den historischen Ornat und der Diakon die priesterlichen Gewänder. Andächtiges Harmoniumspiel durchweht den heiligen Raum. Ein geschulter Priesterchor verschönt dieses einzigartige Fest.Sonst geschieht solch erhabene Feier in herrlichen Domen, gedrängt voll Menschen aus allen Ständen. Festlich ertönt Orgelspiel und erbraust die Musik. Große Sängerchöre und ein mächtiges Glockengeläute vollenden die gewaltige Symphonie. Anders in Dachau. Eine Stube in einer billigen Baracke, das ist unser Dom. Die Festgäste sind glaubensmutige Häftlinge der Gottesfeinde – aber in der Freiheit der Kinder Gottes. Mehr als tausend Priester – Kopf an Kopf dicht gedrängt – die größte Priestergemeinde auf Erden im engsten Raum.

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