18.12.2014 16:46

Internationale Gedenkfeier für Karl Leisner

Zeichen des Protestes gegen die Schergen des Nationalsozialismus

Rund 300 Menschen haben in Dachau der heimlichen Priesterweihe des inzwischen selig gesprochenen Diakons Karl Leisner gedacht. Mit dabei waren auch 100 Jugendliche aus Frankreich und Verehrer Leisners aus ganz Deutschland.


Kardinal Marx mit Bischofsstab und Meßgewand, die heimlich zur Weihe im KZ angefertigt worden waren. (Bild: Kiderle)

Dachau - „Wir dürfen das heute feiern, denn die Feste Gottes sind stärker als die Feste der Machthaber des `1000-jährigen Reiches‘.“ Kardinal Reinhard Marx ließ keinen Zweifel daran, wie richtig und wichtig es sein kann, mitten in der Adventszeit einen feierlichen Gottesdienst mit Kardinälen und Bischöfen, rund 20 weiteren Priestern und anschließendem Empfang im Pfarrsaal zu feiern.

Rund 300 Gläubige haben sich am 17. Dezember in der Pfarrkirche Heilig Kreuz in Dachau eingefunden und mit einer festlichen Messe der Tatsache gedacht und diese auch gefeiert, dass mitten im Terror des KZ-Dachau auf den Tag genau vor 70 Jahren eine Priesterweihe stattfinden konnte. Ganz anders wie oftmals bei Gedenkveranstaltungen waren viele junge Menschen da. Allein aus dem französischen Clermont-Ferrant waren 100 Jugendliche Ihren Erzbischof Hippolyte Simon gefolgt. Einer seiner Vorgänger war es, der wenige Tage vor der Befreiung der Stadt noch von den Nationalsozialisten wegen gefälschter Papiere verhaftet und nach Dachau deportiert wurde. Er hat dort dann den todkranken Leisner zum Priester geweiht.

Der Gottesdienst war der Höhepunkt einer Gedenkveranstaltung, die im Karmel Heilig Blut, direkt am Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers gelegen, mit einer Vesper begonnen hatte. Weitere Stationen waren in der Todesangst-Christi-Kapelle, am Priesterblock und vor dem internationalen Mahnmal. Lesungen aus den Tagebüchern von Mithäftlingen berichteten unter anderem von einer Hinrichtungsaktion und machten so den Terror im Lageralltag nochmals gegenwärtig. Aber auch die Hoffnung, die die Nationalsozialisten nie ganz zerstören konnten, brachten die Veranstalter zum Ausdruck. „Unbeschwert und fröhlich verlebte er (Karl Leisner) die nächsten Wochen auf seinen Strohsack“,  berichtet der ebenfalls damals inhaftierte Jesuitenpater Otto Pies in seinem Tagebuch über die Zeit nach der heimlichen Weihe. In seiner Ansprache vor dem Internationen Denkmal betonte Kardinal Marx, dass das Gedenken nicht nur der Christen gelte, sondern aller, auch der Roma und Sinti, die Homosexuellen und der Juden, die im KZ gelitten haben.

In seiner Predigt würdigte Marx das Leben des Seligen. "Karl Leisner ist uns eine Inspiration." In seiner Person werde deutlich, dass es Männer gegeben habe, die angesichts brutalster Gewalt nicht verstummt seien. "Im Gegenteil, sie machten als Zeichen des Protests klar: Ihr Schergen, ihr werdet besiegt werden." Als Zeichen der Verbundenheit verwendete Marx den Bischofsstab, den Mithäftlinge für Gabriel Emmanuel Joseph Piguet aus Holz gefertigt hatten; sie haben darauf auch den Spruch "Victor in vinculis" (Sieger in Fesseln) eingeschnitzt. So hatte sich die geistliche Gemeinschaft der in Dachau inhaftierten, zur Schönstatt-Bewegung zählenden Kleriker, zu der Leisner gehörte, damals genannt. „Er wollte weiter Priester werden, obwohl ihm klar war, dass er im Irdischen keine Zukunft haben würde“, so Marx: „Warum dann dieser ganze Aufwand, warum dann die Priesterweihe?“ Leisner habe aus Leidenschaft für „das größte Geschenk, das der Priester bringen kann“, gehandelt: „Die Messe lesen, feiern, predigen, sie leben.“

Beim abschließenden Empfang (mit Würstchensuppe und Getränken) suchte nicht zuletzt der sehr gut deutsch sprechende Erzbischof Simon das Gespräch mit den Anwesenden. Auch die französischen Schüler verliehen dem Abend, was der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, in seinem Grußwort hatte sagen lassen: „Sie begehen hier ein internationales Gedenken. Dafür danke ich Ihnen.“ (gw/ps)

Video (in französischer Sprache) auf der Seite der Diözese Clermont.

 

 

Kardinal Marx und Erzbischof Hippolyte Simon (Bild: Kiderle)
Kardinal Marx, Bischof Genn (Münster, Mitte) und Bischof Simon (Clermont, Bild Kiderle)
Kardinal Marx mit Bischofsstab und Meßgewand der heimlichen Weihe (Bild: Kiderle)
Kardinal Marx und der Bischöfliche Beauftragte
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